Mittwoch, 8. Juni 2011

Der Heilige Geist im Johannesevangelium

Diesen Artikel schrieb ich kürzlich für unser Gemeinde-Magazin.


Oft geht es bei uns darum, sich zu fragen, wie wir das Wirken des Geistes mehr erleben können, oder wie wir ihm mehr Raum geben können. Wir suchen Wege, über die der Geist durch uns in der Welt etwas bewirken kann. Doch stellen wir uns einmal die Frage: „Wer ist der Geist Gottes?“

Im Johannesevangelium lesen wir in den Kapiteln 14-16 die grosse Rede Jesu, in der er seinen Jüngern erklärte, was nach seinem Tod auf sie zu kommen wird. Darin beschreibt er auch den Geist. Johannes braucht dafür das griechische Wort „parakletos“, eigentlich ein Begriff aus dem Rechtswesen, der zur Bezeichnung eines Anwalts, Fürsprechers oder einfach eines Beraters verwendet wurde.

Jesus sagt in Joh 14,16, dass Gott nach ihm einen „anderen Beistand (parakletos)“ senden werde – und das ist der Heilige Geist. Jesus ist der erste ‚parakletos’, er ist unser Beistand und Fürsprecher beim Vater (1Joh 2,1) und er stand für uns ein als er für unsere Sünde am Kreuz starb. Der Heilige Geist ist dann nicht etwa einfach ein Stellvertreter Jesu (das ist sowieso etwas, das es eigentlich gar nicht gibt), sondern er bestreitet sozusagen die Fortsetzung der Geschichte Jesu. Durch ihn werden wir noch vie grössere Dinge bewirken können, als sie Jesus selbst tat (Joh 14,12). Es ist die Aufgabe des Geistes, genau wie Jesus unser Beistand und Begleiter zu sein.

Später sagt Jesus, der Geist werde uns „alles lehren und an alles erinnern, was er gesagt hat“ (Joh 14,26). Wir dürfen wissen, dass der „andere Beistand“ uns alles lehrt, das wir wissen müssen, um ein Leben nach Gottes Willen führen zu können. Wir können dadurch die Bibel verstehen, oder auch die Geschehnisse in der Welt nach Gottes Massstäben einordnen. Und die Erinnerung an all das, was Jesus gesagt und getan hat, verbindet uns mit ihm, wie ein Weinstock mit dem Zweig verbunden ist (Joh 15,1-8). Der Geist wird als Zeuge Jesu in unserem Leben auftreten (Joh 15,26) und deswegen dürfen auch wir dieses Zeugnis in die Welt weiter tragen (V. 27).

Doch auch dabei lässt uns der Geist Gottes nicht allein. „Er wird die Welt überführen von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht“ (Joh 16,8). Da die Sünde in der Welt herrscht, wird die Botschaft von Jesus dazu führen, dass sich die Menschen entweder für oder gegen ihn entscheiden werden. Das ist etwas, das wir – als Zeugen Jesu – am eigenen Leib zu spüren bekommen. Wir werden Menschen sehen, die Jesus, annehmen, aber auch solche die ihn und damit auch uns ablehnen werden (Joh 15,18). Die Gerechtigkeit wird darin sichtbar, dass der Geist uns befähigt, nach Gottes Weisungen zu leben. Auch wenn wir nicht so vollkommen leben können wie Jesus, können wir seine Werke fortführen und als Zeugen ein Leben nach Gottes Plan leben. Und so wird der Geist der Welt offenbaren, dass das Gericht bereits gesprochen ist. Den Feind hat Jesus am Kreuz ein für alle Mal besiegt (Hebr 10,10). Durch unser Zeugnis wird die Welt dies erfahren können.

Ein Leben aus dem Geist beinhaltet alle diese Elemente. Wir dürfen ihn annehmen als persönlichen Beistand. Er wird uns lehren und erinnern, damit wir selbst als Zeugen Jesu in der Welt die Gute Botschaft bringen können. Er gibt uns viele verschiedene Gaben, als Werkzeuge mit. Er ist aber nicht nur eine ‚Werkzeugkiste’ in der wir uns bedienen können; er ist eine Person, die mit uns durchs Leben geht, genau wie Jesus dies mit seinen Jüngern getan hat. Er ist der Geist der Wahrheit und Jesus hat von ihm gesagt: „er wird euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen.“ (Joh 16,13-14).





4 Kommentare:

  1. Hallo Ändu
    Sehr gut geschriebener Artikel. Angesprochen hat mich vor allem der Gedanke, dass der Geist nicht einfach eine Werkzeugkiste sein, sondern mit mir durch das Leben gehen will.

    Habe mich auch kürzlich mit dem Begriff Paraklet beschäftig und war ein wenig überrascht, dass der Heilige Geist nur in Joh 14 - 16 so genannt wird. Paraklet heisst ja wörtlich "der Herbeigerufene" - Nur sagt Jesus im Joh 15, 26 und 16, 7, dass der Herbeigerufene nicht von uns gerufen werden muss, sondern dass er ihn sendet. Ich darf einfach empfangen mit offenen Händen und Herzen.
    Liebe Grüsse und viel Dynamis von oben.
    thomas

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  2. Merci, Thomas für dein Feedback.

    Ja, "parakletos" kommt ja sonst glaub' ich nur noch im 1.Joh 2,1 vor, und dort geht es interessanterweise um Jesus, und nicht um den Heiligen Geist.

    Übrigens: dieser Text ist eine Zusammenfassung von einer IGW-Arbeit (Pneumatologie), da habe ich zehn Seiten über dieses Thema geschrieben. Steckt also ein ziemlicher Brocken an Exegese dahinter ;-)

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  3. Gute kurze Zusammenfassung der Thematik. Schön einfach geschrieben und auch praktisch.
    Schreib ne Examsarbeit über den HG im Johannes Evangelium und du hast mir für den Anfang geholfen!
    Danke und Gottes Segen dir

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  4. Das freut mich, dass dir meine Zusammenfassung geholfen hat.
    Ich hatte bei meiner Arbeit auch gemerkt, dass man beim Johannes die Inhalte ziemlich zusammenklauben muss. Das ganze ist ja in den drei Kapiteln 14-16 grosszügig gestreut. Mit der Zeit kriegt man aber ein recht gutes und hilfreiches Gesamtbild.
    Ich wünsche dir gutes Gelingen und Gottes Segen bei deiner Arbeit.

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