Donnerstag, 8. Juli 2010

Endlich...?

Endlich macht sich in der Schweiz Erleichterung breit: die Deutschen sind draussen!

Ich habe den Match Deutschland-Spanien zwar nicht live gesehen, doch an der Veranstaltung, der ich gestern Abend beiwohnte, war herauszuspüren, dass die meisten der dort Anwesenden mit dem bekannt gewordenen Resultat nicht unbedingt unzufrieden waren. Denn die Position des Schweizers bei einem Spiel einer deutschen Mannschaft ist klar: Man ist immer für die anderen.

Ich frage mich je länger je mehr, was denn diese Abneigung gegenüber der deutschen Nation bei uns Schweizern eigentlich soll. Natürlich störe ich mich auch an der eher arrogant wirkenden Variante des Klischeedeutschen, der sich uns häufig in den Medien oder am Skilift präsentiert; und ihre Politiker geben im Moment auch nicht gerade das beste Bild ab. Doch sind sie wirklich alle so? sind es tatsächlich diese knallharten, unverfrorenen Verfechter des Habsburgischen (und vielleicht eines noch viel grausameren) Erbes, die nichts anderes im Sinn haben, als uns Schweizer klein und unbedeutend zu nennen, und uns nur übles wollen, ja uns am liebsten ihre Identität überstülpen möchten, und uns dadurch aller Souveränität, Unabhängigkeit und Neutralität berauben wollen? Ist es tatsächlich diese Nation ohne Herz? Ich muss hier entschieden dagegen halten: Nein! Auch wenn ich kein Fussballbegeisterter bin, die charmante deutsche Mannschaft dieser WM hat mir Freude bereitet. Und meine Erfahrung mit vielen verschiedenen deutschen Freunden macht mich noch einmal überzeugter: Dieses Volk hat ein anderes Image zugute!
Mich beschleicht der Verdacht, dass Deutschland tun und versuchen kann, was es will - die Gunst der Schweizer wird es niemals erlangen. Und ein weiterer (noch viel traurigerer) Verdacht lässt mich vermuten, dass wir Schweizer uns einfach zu gut sind, um uns auf die Nachbarn im Norden einzulassen. Irgendwie tun wir uns schwer zuzugeben, dass es nicht nur uns gibt. Es stört uns, dass Deutsche zu uns kommen, um qualitativ gute Arbeit zu machen, wo wir die Qualitäts-Nation sind. Wir beschweren uns, wenn sich die deutschen Politiker zu Recht für ihre Steuergelder auf unseren Banken interessieren, wobei wir uns fragen könnten, was denn da sonst noch alles krumm läuft in unseren Finanzinstituten. Und, ... und, .....und.
Die Bibel sagt uns, wir sollten unseren eigenen Balken aus dem Auge ziehen, statt unseres Freundes Splitter zum grossen Thema zu machen (Mt 7,1-6). Deutschland möchte unser Freund sein, doch wir haben für diese geniale Nation nur Spott und Verachtung übrig. Liebe Schweizer Blogleser: lasst uns beginnen einen Unterschied zu machen! Es geht hier nicht um Politik und auch nicht um Fussball. Es geht darum, was wir von uns selbst und von anderen halten. Es geht darum, den anderen höher zu achten als sich selbst. Das heisst nicht, dass wir alles an ihm gut finden müssen. Aber es gibt tatsächlich Dinge, die wir gut finden können: Ich freue mich darüber, gute deutsche Freunde zu haben. ich bin dankbar, dass Deutschland genauso wie die Schweiz sehr viel in industrielle Qualität investiert. Ich freue mich darüber, dass Deutschland in der EU versucht die Fäden zusammenzuhalten, was eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist. Und ich freue mich für die deutsche Nationalelf, dass sie uns so positiv überrascht hat, und ja - wäre Deutschland in den Final gekommen, ich wäre auf ihrer Seite gewesen.


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