Die Frage in diesen drei Tagen war: "Wie hat Jesus das Alte Testament gelesen und von daher seinen Weg verstanden?" Es war beeindruckend, wie uns der Dozent die Tatsache nahebringen konnte, wie die Juden zur Zeit des Neuen Testamentes das (für uns) Alte Testament als Gottes Wort gelesen und zu grossen Teilen auswendig gekannt hatten. Dies vor allem, weil es da noch nicht so war, dass jeder seine Bibel auf dem Nachttisch haben konnte; deshalb hatte man sie eben im Kopf. So sehr wir uns heute auf die Aussagen des Neuen Testamentes stützen, wenn es um den Glauben an Jesus geht, müssen wir uns doch bewusst sein, dass die ersten Christen dieses noch gar nicht hatten, sondern ihren Glauben ganz auf der Basis des Alten Testamentes und auf den Taten und Worten Jesu, die ihnen mündlich überliefert wurden gründeten.
Das ist etwas, das wir uns nicht genug vor Augen führen können! Oft höre ich Christen sagen: Das Alte Testament ist mir zu kompliziert, zu unverständlich und sowieso nicht ganz so wichtig wie das Neue Testament. Doch das funktioniert so nicht. Ohne das AT ist das NT nicht halb so viel wert! Wir müssen lernen, den Wert des Alten Testaments durch die Augen des Neuen Testaments zu verstehen.
Dazu kann allein schon eine Hilfe sein, wenn wir versuchen uns vorzustellen, was denn die Texte des Alten Testamentes für Jesus, aber auch für alle anderen neutestamentlichen Personen bedeutet haben könnten. Wie las Jesus, wissend dass er als Messias kam, die Geschichten der Könige, die von Davids Geschlecht waren? Wie verstand er die Verheissungen, die die Propheten über ihn machten und was bedeuteten diese Aussagen für sein Leben? usw. usw.
Mir wurde einmal mehr bewusst, wie wichtig es ist, beim Bibellesen genau hinzuschauen, zu sehen, was dasteht. Und dabei immer wieder bewusst zu werden, dass diese Schrift in der jüdischen Tradition fest verwurzelt ist, und dass es ein wichtiger Schlüssel zum verstehen der Worte ist, wenn man sich in diese Kultur hineinzudenken versucht.
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